verband dänisher simmental-fleckviehzüchter

25 jahren der simmentalzucht

The First 25 Years of Efficient Simmental Breeding in Denmark

von Seniorkonsulenten Dr. Mogens Hansen

anlässlich dem 25-jährigen Jubiläum der Vereinigung Dänischer Fleckviehzüchter Sept. 2000

In den massiven schweizerischen Alpen findet man viele Täler, die von der Hand der Natur mehr oder weniger von der umgebenden Welt getrennt sind. In diesen Tälern entwickelten sich viele örtliche Rinderrassen, von welchen die meisten örtlichen verblieben. Das betrifft aber nicht die Rasse, die sich in dem Tal Simme entwickelte – im Gegenteil - heute gibt es wahrscheinlich ungefähr 50 Mio. Simmentalrinder über die ganze Welt.

Vor 25 Jahren kam Simmental nach Dänemark, und entgegensetzt zu ihrer Heimat, wo Simmental eine Kombinationsrasse war, wurde die Rasse in Dänemark vom Anfang an nur als eine Fleischrasse eingesetzt. Von der Hand der Natur ist Dänemark kein Land für Fleischrinder. Milchvieh, normalerweise aber auch mit einer guten Fleischproduktion, war immer Dänemarks nationales Kennzeichen auf dem Rindergebiet.

Erst Anfang der 50’er Jahren wurde der Hintergrund für Fleischrinder in Dänemark gebildet. Vom Anfang an kamen Hereford und Aberdeen-Angus. Kurz danach wurde auch die Charolais-Rasse eingeführt, und Anfang der 70’er Jahren auch Limousine. Zu der Zeit hatten wir auch einige Scotch Highland, und immer noch auch einige Kurzhorn-Rinder von dem Typ, den wir in Dänemark seit 1850 gezüchtet haben. Simmental hat sich in Dänemark ruhig entwickelt und ist heute die viertgrößte der Fleischrinderrassen, die wir in Dänemark haben. Die Anzahl von Fleischrassen hat sich dagegen seit der Einfuhr von Simmental stark entwickelt, und heute haben wir ung. 18 Rassen.

Simmental hat ein offenes Herdbuch und eine große Zahl von Kreuzungstieren, die auf dem Weg sind, reinrassig zu werden. Im Laufe der nächsten Dekade wird Simmental mehr von den Rassen überholen, die im Moment eine größere Zahl zählen, und wahrscheinlich um 2005 den zweiten Platz erreichen. Durchschnittlich zählt eine Herde nur ung. 6 reinrassige Simmentalrinder pro Herde. Unsere Herden sind somit etwas kleiner als der dänische Durchschnitt für die Mutterkuhhaltung insgesamt von 10 Kühe pro Herde. Wenn nur reinrassige Herden gezählt werden, ist der Durchschnitt ung. 8 Kühe, so auch in diesem Zusammenhang ist Simmental bescheiden.

Dass Simmental dagegen populär ist, kann nicht bezweifelt werden. Was ist es dann, das die Rasse so populär gemacht hat – besonders bei vielen früheren Milchviehzüchtern? Ich bin der Meinung, dass es in erster Reihe auf einen sehr klar definierten und gezielten Einsatz ganz vom Anfang an zurückzuführen ist, wo die Pioniere das übergeordnete Ziel für Simmental festgelegt haben: die größt mögliche tägliche Zunahme. Seitdem wurde dieses Ziel von den verschiedenen Vorständen der Vereinigung sehr konsequent verfolgt, was sich von den heutigen Ergebnissen abspiegelt, wo Simmental in der Eigenleistungsprüfung deutlich die Rasse mit der größten Zunahme ist.

Zielstrebigkeit, aber auch Offenheit den Züchtern gegenüber, waren die Mittel der Zuchtvereinigung das Ziel zu erreichen, das heute so scharf steht. Die Zuchtveranstaltungen waren die traditionellen: Tierschauen, Körungen, Eigenleistungsprüfungen und die konsequente Verwendung von Zuchtwerten.

Individuelle Züchter hatten eine große Bedeutung für die Verbreiterung, die Popularität und den hohen Stand von Simmental in Dänemark. Ab und zu in Zusammenarbeit mit der Vereinigung, ab und zu als „Einzelgänger“ haben Persönlichkeiten unter den Mitgliedern der Zuchtvereinigung stark zu dem guten Ergebnis beigetragen. Immer gab es aber ein gutes Zusammenwirken zwischen den Züchtern und der Vereinigung, und eines der Ergebnisse war z.B. das großzügiges Arrangement bei der Landesschau 2000, wo Simmental das 25-jährige Jubiläum in Dänemark gefeiert hat.

Die Tierschauen

Tierschauen, Körungen und Nachkommenpräsentationen sind traditionsreiche Veranstaltungen sowohl in Dänemark als auch in der Heimat der Simmentalrasse, der Schweiz. Den ursprünglichen Zweck der Tierschauen war es selbstverständlich, die Tiere in einem solchen Weg zu beurteilen, dass man best möglich die Produktionseigenschaften geschätzt bekam, die das einzelne Rind besaß.

Vor der Leistungskontrolle vor ung. 100 Jahren hatte man für Milchkühe nur eine Möglichkeit, eine Schätzung der Milchfähigkeit der Kühe anhand den sogenannten „Milchzeichen“ zu machen. Es gab mehrere verschiedene Theorien, wie eine richtige Milchkuh aussehen sollte, und auf den Tierschauen hat man dann die ausgestellten Kühe rangiert, laut dem, was zu der Zeit gang und gäbe war.

Bei den Fleischrindern war die Bedeutung der Tierschauen wohl noch größer als bei den Milchrindern. Es ist ja nicht so schwierig beim Anschauen eines Tieres die Fleischproduktionseigenschaften zu beurteilen als die Milchproduktions-eigenschaften. Wenn man sich streng an die eigentlichen Fleischproduktionseigenschaften gehalten hätte, hätten die Tierschauen wohl auch nicht die Bedeutung verloren, die sie vor einigen Jahren hatten.

Heute müssen wir wohl sagen, dass als Zuchtveranstaltung der Wert der Tierschauen sehr beschränkt ist, was aber nicht der Fall ist, wenn man über soziales Beisammensein, Konkurrenzgeist, Vermarktung der schönen Tiere und der Rasse redet, und dazu kommt dann auch der Wettbewerb unter den Rassen, die Tiere vorzuzeigen, die vom Publikum am meisten beliebt sind. Die Simmentalzüchter waren immer fleißige Aussteller auf den Tierschauen – sowohl auf den regionalen als auf den größeren und landesweiten Schauen. Denken wir nur an die Ausstellung, die wir im Sommer in Zusammenhang mit dem 25-jährigen Jubiläum hatten: mehr als 100 Tieren waren in Herning ausgestellt!

Ab 1987 kam ein neues Ereignis auf  vielen dänischen Tierschauen dazu, namentlich was wir die „Interbreed Konkurrenz“ nennen. Das ist eine Konkurrenz, wo die besten Tiere jeder Rasse gegen einander kämpfen, das beste Tier der Schau zu werden. In ihrer ursprünglichen Form ist die Interbreed Konkurrenz geschlechtsneutral, d.h. dass weibliche Tiere und Bullen gegen einander konkurrieren. In der dänischen Form wählen wir normalerweise, die Geschlechte zu trennen, wodurch Bullen mit Bullen kämpfen, und weibliche Tiere mit weiblichen Tieren. Auf einigen Tierschauen hat man mehrere Interbreed Konkurrenzen, bis zu vier, wo man die männlichen und weiblichen Tiere in eine ältere und eine junge Gruppe aufteilt.

Seit Anfang der Interbreed-Konkurrenzen auf den großen Schauen haben viele Simmentaltiere triumphiert und sich vor den übrigen Rassen platziert. Das hat selbstverständlich dazu beigetragen, der Simmentalrasse ein bekanntes Gesicht nach außen zu geben – und dadurch große Popularität sowohl beim Publikum als auch bei neuen potentiellen Fleischrinderzüchtern.

Wie genannt ist die Bedeutung der Tierschauen als Zuchtveranstaltung sehr beschränkt, aber sie sind immer noch sehr geeignet für Vermarktung der Fleischrinderrassen. Das gilt auch für die Simmentalrasse, die sehr photogen ist und  auch beeindruckend mit den oft großen und schweren Tieren mit dem sehr ruhigen Temperament. Simmental muss selbstverständlich alle Möglichkeiten nutzen, die Rasse am besten zu vermarkten, auch auf den großen dänischen Schauen.

Körungen

In ihrer ursprünglichen Form bedeuten die Körung eines Tieres, dass man es gleichzeitig als Zuchtrind anerkennt. Von dem sanften Anfang der Rinderzucht vor 200-300 Jahren hat man sich dafür interessiert, dass nur die besten Tiere Eltern der nächsten Generation werden. Die Körungsarbeit selbst fing in vielen europäischen Ländern etwa zu der gleichen Zeit an. In Dänemark kennen wir die Körung seit Anfang der Herdbücher bei den Milchrindern in den 1880’er Jahren.

Unmittelbar vor Einfuhr der Simmental-Rasse in Dänemark hat man bei den Milchrassen ein neues Körungssystem entwickelt, die sogenannte 10 x 10 Körung. Nach dieser Skala erteilte man den Tieren max. 10 Punkte für 10 verschiedene Exterieurmerkmale, und es war selbstverständlich so gemeint, dass man alle 10 Noten angeben sollte. Die Praxis hat sich aber schnell dazu entwickelt, dass man die 10 Ziffern addierte und das Fazit nannte, z.B. 83 Punkte.

Vom Anfang an haben alle dänische Fleischrinderrassen diese neue Körungsskala verwendet. Wie viele andere Fleischrinderrassen hat Simmental auch gewählt, die Note für den Gesamteindruck das doppelte Gewicht zu geben. Man hat also nur 8 Merkmale gekört und dazu noch einen Gesamteindruck, der ganz schwer in dem gesamten Ergebnis wog.  Die 10x10 Skala für Simmental war wie unten gezeigt, und man hat also wie genannt max. 10 Punkte pro Merkmal gegeben 

1.    Kopf und Rassengepräge

2. Hals und Schulter

3. Brust und Seite

4. Rücken

5. Rumpf

6. Kreuz

7. Schenkel

8. Gliedmaßen

9. Gesamt, zählt doppelt

Die Idee mit Körung nach der 10x10 Skala ist nicht, dass sie beschreibend sein soll. Wenn ein Tier nach dieser Skala mit z.B. 7 Punkte für Gliedmaßen gekört wird, weiß man nur, dass es ein Problem gibt, aber nicht was es ist. Die 10x10 Körung ist somit eine beurteilende Körung, wo man das einzelne Merkmal mit dem Ideal vergleicht, dass die Rasse als ihr Zuchtziel für dieses Merkmal gewählt hat.

Genau dies war der Hintergrund, dass man eine mehr detaillierte und mehr beschreibende Körung wünschte, eine Körung, die ein Bild des Tieres hinterlässt, wenn man die Reihe von Punkten durchgeht.Eine solche Körung wurde im 1994 nach dem Prinzip der linearen Aufnahme der einzelnen Merkmale. In dem System „kört“ man 19 Merkmale auf einer Skala von 1-9, wo 1 ein Extrem für das Merkmal bezeichnet und 9 das andere Extrem. Am 1. Mai 2000 waren 1.457 Simmentalrinder nach dem linearen Prinzip gekört.

Hier folgt eine Übersicht über die Merkmale, die beschrieben werden, und über die bisher erzielten Ergebnisse mit dem Optimum für das einzelne Merkmal verglichen und mit Angabe des Gewichtungsfaktors, womit das Merkmal in den weiteren Berechnungen aufgenommen wird. Das System enthält auch Abweichkoden, da nicht alle Merkmale in die lineare Skala einpassen. Es kann vom Vorteil sein, dass man vermerken kann, dass das Tier einen hohen Schwanzansatz hat, obwohl man es dafür nicht straft – hierfür kann man den Abweichkode verwenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lineare Körung, Simmental. Anzahl beurteilte Tiere: 1.457

 

Durchschnitt

Optimum

Gewichtungs-Faktor

Futterstand

 

 

 

Körper:

 

 

 

Schulter (Breite von vorne)

6,1

6

15

Brusttiefe

6,4

5

15

Oberlinie

6,3

7

15

Größe

7,5

9

15

Gesamteindruck

6,3

9

35

Abweichkoden für Körper

 

0

5

Bemuskelung:

 

 

 

Rücken, Breite

5,0

9

13

Rumpf, Breite

6,5

9

11

Beckenneigung

6,0

5

8

Beckenlänge

7,3

9

8

Kreuzbreite

6,6

8

8

Schenkelbreite

6,3

8

15

Innenschenkel

5,6

9

11

Schenkeltiefe

6,4

9

11

Schenkelfülle (von der Seite)

6,2

9

15

Gliedmaßen

 

 

 

Sprunggelenkwinkel (von Seite)

4,9

4

20

Fesselwinkel (von Seite)

6,3

7

20

Sprunggelenk (von hinten)

6,1

9

20

Vorderglieder (von vorne)

7,1

9

20

Knochenbau

6,5

7

15

Abweichkoden für Gliedmaßen

 

0

5

Exterieurnoten:

 

 

 

Körper

 

 

20

Bemuskelung

 

 

50

Gliedmaßen

 

 

30

Gesamteindruck

 

 

 

 

 

 

Von den aufgenommenen Merkmalen zieht man die Aufnahmen in drei Teilkategorien zusammen u.Z. für Körper- und Rassengepräge, Bemuskelung und Gliedmaßen. Letztendlich werden diese drei Punkte zu einen Gesamteindruck zusammengezogen, wodurch man einen Gesamtausdruck für das Exterieur des Tieres bekommt. Die Berechnungen der drei Teilpunkte und von dem Gesamteindruck geschehen so, dass der Rassedurchschnitt für den einzelnen Teilpunkt ist 80, wodurch Tiere über 80 besser als dem exterieurmässigen Durchschnitt der Rasse ist, und Tiere unter 80 geringer.

Ein Beispiel auf den Wert der linearen Körung mit der alten 10x10 Skala verglichen finden wir oben mit dem Bullen, dem 7 Punkte für Gliedmaßen auf der alten Skala zugeteilt wurde. Mit der neuen Skala gibt es nicht wenige als drei Punkte für hintere Glieder und einen Punkt für vordere Glieder. Für die hintere Glieder ist es Sprunggelenkwinkel von Seite, Fesselwinkel von Seite und Sprunggelenk von hinten und für die vorderste Glieder die Stellung von vorne gesehen.

Wenn wir jetzt nur die hintere Glieder betrachten, und das Tier nehmen, das mit 7 für Gliedermaßen gekört wurde, können wir mit der neuen linearen Registrierung sehen, dass der Bulle 6 für Sprunggelenkwinkel, 3 für Fesselwinkel und 5 für Sprunggelenk von hinten hat. Wir haben jetzt ein ganz klares Bild der hinteren Glieder des Bullen – ein Bisschen  hakenbeinig mit etwas sanften Fessel und etwas sprungbeinig.

Um die Körungsarbeit einfacher zu machen und die Beschwerde wegzulassen, „das Tier für Körung zu füttern“, machen wir im linearen Registrierungssystem verschiedene Korrekturen. Für die Kühe wird für Kalbungsnummer, Abstand von Kalbung, Alter bei erster Kalbung und Futterstand korrigiert. Für die Bullen wird für Alter und für Futterstand korrigiert. Dadurch erzielen wir, dass die Exterieurpunkte direkt vergleichbar werden unabhängig von Alter, Anzahl der Kalbungen, Abstand von Kalbung und Futterstand. Die verwendeten Korrekturen sind auf den Unterschieden in der Gruppe von Tiere basiert, die zuerst gekört wurden. Die Gruppe umfasst ung. 3.000 Kühe und 800 Bullen von allen Rassen.

Die Exterieurpunkte werden auf  dem Herdbuchblatt des Tieres ausgedruckt, und die lineare Registrierung wird für Berechnung von dem Index für Zuchtwert für Exterieur verwendet, das zusammen mit dem Gesamtzuchtindex veröffentlicht wird.

Im Herbst 2000 wird noch entschlossen, ob der Exterieurindex in dem Gesamtzuchtindex hineinzuziehen ist. Hier hat Simmental jedoch schon eine vorläufige Entscheidung gemacht, das Exterieurindex vom Gesamtzuchtindex wegzuhalten, da man auf Grundlage der heutigen Zusammensetzung unseres Gesamtzuchtindexes sehr große korrelierte Fortschritte vom Exterieur hat.

Die Eigenleistungsprüfungen

Der Zweck der Zuchtveranstaltung, die Eigenleitungsprüfung heißt, ist es, den Zuchtwert eines Tieres für seine Produktionseigenschaften festzulegen, dadurch dass man direkt auf dem Tier selbst misst. Die Bedingung, dass die Eigenleistungsprüfung einen zuchtmäßigen Wert hat, ist es, dass die untersuchten Eigenschaften eine hohe Erblichkeit haben. Das betrifft sowohl Zuwachs, Fleischproduktion und Futterumsatzvermögen, und genau die drei Eigenschaften werden auf der Eigenleistungsprüfung für Fleischrinderbullen gemessen, die bis vor zwei Jahren auf Langagergaard und jetzt auf Aalestrup stattfindet.

Ganz vom Anfang an hat Simmental die Eigenleistungsprüfung verwendet. Die ersten 13 Bullen wurden im Prüfjahr 1975/1976 eingesetzt. Dies spiegelt auch die ganz klare Einstellung der Zuchtleitung und der Gründer der Vereinigung, was Simmental muss – also wachsen. – Heute sind die Simmental-Züchter fleißige Verwender der Prüfungsstation, und zwischen 25 und 40 Bullen werden jedes Jahr geprüft. Bis zu Ende der 1980’er Jahren hat nur eine einstellige Anzahl Simmental jedes Jahr die Prüfung durchgegangen.

In der Prüfungsstation wird der Zuwachs durch Wiegen der Tiere jede vierte Woche in der Prüfperiode gemessen. Auf Grundlage der Eingangs- und Ausgangsgewichte wird ein Zuchtwert für Zuwachs – der T-Index – berechnet. Die Fleischproduktionseigenschaften werden mittels Ultraschallausrüstung gemessen. Die Messung wird über der hintersten Rippe des Tieres vorgenommen, in dem gleichen Weg als das, was man bei Menschen, z.B. bei schwangeren Frauen,  Scanning nennt. Die Ultraschallmessung registriert das Querschnittsareal des Hochrippenstücks auf der Stelle, wo gemessen wird. Die Bullen werden dreimal mit einem Monat dazwischen in der Ende der Prüfungsperiode gemessen. Die Arealgröße des Rippenstücks wird gegen den Durchschnitt der Rasse beurteilt, und das Ergebnis als einen Zuchtwert, den U-Index, als Ausdruck für die gesamten Fleischproduktionseigenschaften des Bullen angegeben.

Der Hintergrund einer Ultraschallmessung genau an der Stelle zu verwenden, wo das Rippenstück gemessen wird, ist, dass man Ende der 1960’er und Anfang der 1970’er Jahren eine Reihe von Versuchen durchführte, wo Bullenkälber von Milchrassen vor Schlachten gemessen wurden. Nachher wurde der Schlachtkörper zerlegt, und das Rippenstück genau an der Stelle gemessen, wo die Ultraschallmessung vorgenommen wurde. Weiterhin hat man alle andere Fleischproduktionseigenschaften registriert, wie Prozent von Pistolenfleisch und Gewicht der Einzelmuskeln im Körper des Tieres. Die große Analyse, die auf Hintergrund dieses großen Datenmaterials gemacht wurde, hat gezeigt, dass die Ultraschallmessung auf lebende Tiere an genau der Stelle, wo die Messung heute vorgenommen wird, das beste Bild von dem gesamten Fleischinhalt in dem Schlachtkörper gibt – und dadurch auch von dem Fleischeinhalt in dem lebenden Tieren. Der Zusammenhangsgrad ist so groß als ung. 50%. Da das Ultraschallareal weiterhin eine hohe Erblichkeit hat, ist es eine gute Methode, die Fleischproduktionseigenschaften und dadurch die Schlachtqualitäts-eigenschaften auf einem lebenden Tier zu beurteilen, das eben nicht für das Schlachten bestimmt ist.

Endlich bekommt man durch die Eigenleistungsprüfung auch einen Eindruck von der Fähigkeit des Tieres, mit so wenig Futter als möglich zu wachsen. Futterverbrauch pro kg Zunahme sagt selbstverständlich eine Menge hierüber, aber wenn man das Gewicht des Tieres in der Prüfperiode nicht berücksichtigt, können die nackten Ziffer oft irreführend sein. Deshalb wird auch ein sogenannter Futtereffektivitätsindex (FEF-Index) berechnet, was deutlich besser ist als die nackten Ziffer für Futteraufnahme pro Kilo Zunahme. Der FEF-Index berücksichtigt eine Reihe von anderen Faktoren, u.A. Gewicht des Bullen in der Periode, wo die Futteraufnahmeregistrierung stattfindet. Die Futtereffektivität hat auch eine hohe Erblichkeit, und deshalb ist eine Eigenleistungsprüfung für sowohl Zunahme als auch Ultraschallareal und Futtereffektivität sehr sicher. Die Praxis zeigt, dass die Sicherheit um 60% ist, das entspricht, dass 7-8 Bullenkälber nach dem in Frage kommenden Bulle geschlachtet und beurteilt werden

Die durchschnittlichen Ergebnisse für die 24 ersten Prüfungsjahre sind wie folgt:

Eigenleistungsprüfung - Ergebnisse, Simmental, 1975-1999

Jahr

Anzahl

Gewicht, 7* Monate, kg

 Gewicht, 13 Monate, kg

Tägliche Zunahme, g

Ultraschall- Areal2

75-76

13

306

582

1536

81,8

76-77

13

305

581

1532

79,0

77-78

10

318

591

1519

82,2

78-79

6

314

597

1573

84,3

79-80

8

331

590

1446

88,9

80-81

8

310

594

1577

76,5

81-82

7

333

585

1405

85,7

82-83

9

347

591

1359

87,8

 83-84

6

344

615

1506

82,3

84-85

4

324

573

1381

80,8

85-86

3

336

610

1520

79,4

86-87

12

360

608

1374

84,4

 87-88

11

352

642

1595

86,0

 88-89

20

348

 632

1534

81,8

 89-90

33

353

655

1659

82,8

 90-91

21

362

650

1583

80,6

 91-92

29

348

636

1581

84,8

 92-93

35

356

 644

1586

83,6

 93-94

37

344

633

1590

84,3

94-95-

30

374

633

1684

82,6

 95-96

32

388

652

1716

81,1

 96-97

29

397

667

1776

81,9

 97-98

26

378

660

1832

82,4

98-992)

20

393

666

1777

84,6

1) Von 1994-95 Gewicht bei 8 Monaten

2) Prüfung in Aalestrup Avlsstation von 1998-99  

 

 

Im Laufe der 24 Jahre wurde die Prüfung mehrmals geändert. Zum Beispiel kann man das Ultraschallareal in den ersten Jahren nicht mit dem Areal der letzten Jahre vergleichen, da die Ausrüstung in 1980’er Jahren ausgewechselt wurde. Die neue Ausrüstung, die man heute verwendet, misst viel genauer als die alte, und die Wiederholung der einzelnen Messungen ist viel höher. Man bemerkt auch die sehr hohen Unterschiede zwischen den Ultraschallarealen bis zum Ende der 80’er Jahren.

Vergleicht man die Ergebnisse, wird eine Reihe von Eindrücken deutlich:  

· Seit 1975 ist die tägliche Zunahme um 250-300 g oder 15-20% gestiegen. Das spiegelt klar ab, dass Zuwachs das Hauptziel der Simmental-Zuchtarbeit ist.

· Das Startgewicht ist um ung. 50 kg gestiegen. Jedoch muss man bemerken, dass das Gewicht beim Prüfbeginn ab das Prüfungsjahr 1994-1995 bei 8 Monaten und nicht bei 7 Monaten wie bei Anfang der Prüfungen berechnet ist. Dies indiziert ein allgemein höheres genetisches Zuwachsvermögen in der Säugeperiode.

· Das Gewicht bei Prüfende ist seit Anfang der Prüfungen um ung. 80 kg gestiegen. Auch hier sieht man eine klare Abspiegelung des festgelegten Zuchtziels für Simmental.

· Das Ultraschallareal ist wegen der beiden verwendeten Ausrüstungen etwas schwierig zu vergleichen, aber generell gab es wohl kaum Fortschritte in der Fleischfülle durch das Ultraschallareal ausgedrückt.

Der Futterverbrauch wurde nicht in allen Jahren der Eigenleistungsprüfung aufgenommen und wurde deshalb nicht in der Tabelle aufgenommen, auch nicht für die Jahre, wo er berechnet wurde. Generell wird der Futterverbrauch als Folge der größeren Zunahme ein Bisschen heruntergehen, was auch von den Ergebnissen bestätigt wird, die eben nicht in der Tabelle aufgenommen wurden.

Simmental hat immer die Eigenleistungsprüfung richtig verwendet. Damit meine ich, dass die besten Bullen der Rasse geprüft werden, und dass die allerbesten geprüften Bullen in das Besamungsprogramm eingesetzt werden.

Dies wurde sehr konsequent verfolgt, besonders in der letzten Dekade, und das Ergebnis ist nicht ausgeblieben. Mit Limousine zusammen ist Simmental die beliebteste Rasse für Besamung in Dänemark, und zusammen zählen sie 2/3 von sämtlichen Fleischrinderbesamungen. Die Anzahl der Besamungen mit Simmentalsamen in den letzten 15 Jahren sieht man in der folgenden Übersicht:

Anzahl Erstbesamungen mit Simmental und Fleischrinder gesamt

Jahr

Simmental

Fleischrinder gesamt

Simmental %

1986

 3.258

23.259

14,0

1990

 12.371

 51.529

24,0

1991

 13.201

52.600

 25,1

1992

13.352

 49.365

27,0

1993

 12.318

 46.368

 26,6

1994

 9.621

 37.683

25,5

1995

 8.536

 33.795

25,3

1996

 8.057

 31.596

25,5

1997

 7.601

28.155

27,0

1998

 7.397

 27.007

27,4

1999

7.160

26.058

27,5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In 1986, das ist das erste Jahr, wo Simmental selbstständig registriert wurde, fingen wir mit gut 3.000 Erstbesamungen an. Schon in 1990 war dies auf mehr als 12.000 Erstbesamungen gestiegen, eine Zahl, die sich um 4 Jahren festhielt. Seitdem ist die Anzahl der Fleischrinderbesamungen generell etwa auf die Hälfte heruntergegangen, aber für Simmental ist der Fall nicht 50%, aber eher 40%.

Die Eigenleistungsprüfung bleibt der Haupteckstein in der Zuchtarbeit mit den Fleischproduktionseigenschaften. Simmental hat bewiesen, dass man die Eigenleistungsprüfungen gut nutzt, aber das bedeutet nicht, dass man es nicht immer besser machen kann. Die Prüfungen geben namentlich so gute und sichere Ergebnisse, dass sie stark dazu beitragen, dass unser Zuchtwert-Schätzungssystem so gut zusammenhängt, wie es jetzt tut. Dadurch vergrößert sich die Wichtigkeit, so viele Bullen wie möglich mit einem so breiten Abstammungshintergrund wie möglich zu prüfen.

Obwohl wir jetzt viele Bullen in die Eigenleistungsprüfung einsetzen, sollten wir die Prüfungen noch besser nutzen. Am liebsten sollte man 2-3 Bullen pro 100 reinrassige Herdebuchkühe prüfen, d.h. pro Jahr sollten wir 50-75 Simmentalbullen prüfen. Mit der heutigen Prüfkapazität wird dies schwierig sein, aber es gilt immer noch, dass die Kapazität auf der Prüfstation Aalestrup nach dem „wer zuerst kommt“ Prinzip genutzt wird.

Indexe für Zuchtwerte

Eine gute Leistung eines Tieres oder eines Menschen ist auf einer von zwei zurückzuführen: entweder ein Talent für genau die Leistung, oder hartes Training – oder eine Kombination der beiden. Im Groben können wir das Talent als den erblichen Teil der Leistung bezeichnen, wogegen die Trainierung oder die äußeren Umstände die Umwelt beschreibt. Nur der Zuchtwert kann an die nächste Generation weitergegeben werden. Nicht die beste Futterung kann vererbt werden!

Leider kann man den erblichen Teil der Leistung eines Tieres nicht getrennt messen. Wir können nur die gesamte Leistung messen, d.h. sowohl Vererbung als Umwelt, und wir müssen deshalb im weitmöglichsten Umfang die Umwelteffekte, die es gibt, von der gesamten Leistung herausziehen.

Das tun wir bei Anfang der Zuchtwertberechnungen durch eine Korrektion für systematische Umwelteffekte. Es ist relativ einfach, für den folgenden Umständen zu korrigieren:

· Herdeeffekt

· Geschlecht

· Kalbungs- oder Geburtsmonat

· Kalbungsnummer

· Alter bei Kalbung

· Mehrere Geburten (Zwillinge)

· Alter beim Wiegen

· ET-Geburt

· Ob das Tier besamt wurde oder natürlich bedeckt

Wir nutzen die Daten für Berechnung von den einzelnen Indexen:

Zuchtwerte der Fleischrinderzucht

Kalbeinterval

 

 

 

 

 

 

Fruchtbarkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebenskraft bei Geburt (als Mutter)

 

 

 

 

Kalbung

 

 

 

 

Kalbeverlauf (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebenskraft bei 200 Tagen (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburtsgewicht (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Milch

 

 

 

 

Gewicht bei 200 Tagen (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

Gewicht bei 365 Tagen (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

Nettozunahme (als Mutter)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebenskraft bei Geburt (Tier selbst)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburtsverlauf (Tier selbst)

 

 

 

 

Geburt

 

 

 

 

Lebenskraft bei 200 Tagen (Tier selbst)

 

 

 

 

 

 

S-indeks = Gesamt-zuchtwert

 

Lebenskraft, Milchherden

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburtsverlauf, Milchherden

 

 

 

 

 

 

 

 

Größe, Milchherden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburtsgewicht (Tier selbst)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gewicht bei 200 Tagen (Tier selbst)

 

 

 

 

Wachstum-

vermögen

 

 

 

 

Gewicht bei 365 Tagen (Tier selbst)

 

 

 

 

 

 

 

 

Nettozunahme (Tier selbst)

 

 

Nettozunahme, Milchrinder

 

T-Note (Index für tägl. Zunahme -